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Ubuntu Live-Konferenz: Wichtige Neuigkeiten zu Ubuntu

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Nach drei Tagen ging die am Sonntag gestartete Ubuntu Live-Konferenz in Portland, Oregon, vorgestern zu Ende. Wie am Montag bereits angekündigt, wollen wir Euch heute eine kurze Zusammenfassung einiger zentraler Themen und Neuigkeiten geben, denn auf der Konferenz wurde viel geredet und beschlossen.

"Landschaftsplaner" für Ubuntu

Canonicals Support-Kunden können ab sofort in den Genuss eines Verwaltungsprogramms für ihre Ubuntu-Landschaft kommen. Landscape soll Administratoren bei der Paket- und Benutzerverwaltung ebenso unterstützen wie beim Überwachen der eingebundenen Systeme und deren Hardware. So kann zum Beispiel sehr einfach Software auf mehreren Systemen installiert werden. Die betroffenen Maschinen müssen dazu noch nicht einmal eingeschaltet sein, denn eingestellte Änderungen werden erst durchgeführt, sobald die PCs wieder verfügbar sind. Ob Landscape auch irgendwann frei verfügbar sein wird, wurde bislang nicht bekannt gegeben.

Beiträge hierzu gab es auch bei Linux-Magazin, Pro-Linux, heise open, Golem, silicon.de, Ubuntu.com und Linux-Watch.

Pakete schnüren leicht gemacht

Wie schon am Montag erwähnt, werden Programmierer mit Launchpad Personal Package Archives künftig ein neues Werkzeug an die Hand bekommen. Die persönlichen Paketarchive stellen Repositories dar, die von Benutzern als Paketquellen eingebunden werden können. Ein Build-Service erstellt dann Pakete für mehrere Architekturen der aktuellen Ubuntu-Version. Das Entwickeln und Testen neuer Softwarepakete soll hierdurch vereinfacht werden, da experimentelle Software leichter installiert und auch sauber wieder entfernt werden kann.

Die kostenlosen PPAs soll es nur für freie Software geben. Sie sollen ab August und damit noch vor dem Release von Ubuntu 7.10 zur Verfügung stehen. Für die aktuelle Betaphase werden noch Bewerbungen von Entwicklern entgegengenommen.

Auch Linux Magazin, Golem, Pro-Linux und DesktopLinux berichteten über Launchpad PPA.

Ausblick auf Gutsy Gibbon

Canonicals CTO Matt Zimmerman gab einige der Ziele für Ubuntu 7.10 bekannt. Demnach sollen auf dem Desktop 3-D Effekte Out-of-the-Box funktionieren und auch Mehrfach-Bildschirm-Umgebungen sollen unterstützt werden. Die Server-Variante soll mit einer betriebsbereiten Web-basierten Administrationsoberfläche sowie mehr One-Step Server Anwendungen, vergleichbar LAMP in der aktuellen Ubuntu-Server-Version, daherkommen.

Ein erstes Bild kann man sich schon selbst mit Tribe 3, der dritten Alpha-Version, machen. Diese ist jedoch nur zu Testzwecken zu nutzen, da Alpha-Versionen noch nicht stabil und damit nicht für den produktiven Einsatz geeignet sind.

Zweites LTS-Ubuntu in Sicht

Die nächste LTS-Version (Long Term Support) soll Ubuntu 8.04 werden, welches im April nächsten Jahres erscheint. Mark Shuttleworth sprach in seiner Keynote davon, dass Canonicals Ziel ein LTS-Release etwa alle zwei Jahre sei. Das regelmässige Erscheinen einer solchen Version soll Ubuntu zu mehr Akzeptanz im Unternehmensumfeld verhelfen. Für LTS-Versionen wird die Unterstützung mit Patches für drei, bei der Server-Variante sogar für fünf Jahre gewährleistet. Für alle anderen Ubuntu-Releases steht diese Unterstützung lediglich eineinhalb Jahre zur Verfügung.

Wie Matt Zimmermann in seiner Keynote (siehe oben) auch beschrieb, wird es eine wichtige Funktion geben: Man soll von einer LTS-Version direkt auf die Nächste aktualisieren können. Normalerweise kann man nur von einer Ubuntu-Version zum direkten Nachfolger upgraden. Ein direktes Upgrade über 3 Versionen hinweg würde viel Zeit sparen.

Dell wünscht sich bessere Linux-Treiber

Wie zuerst bei phoronix zu lesen war, hat Amit Bhutani, Senior Software Engineer bei Dell, auf der Konferenz den Wunsch geäußert, dass sich die ATI-Treiber verbessern sollen, damit man auch Systeme mit ATI-Grafikkarten anbieten können. Aktuell verbaut man nur Grafikkarten mit Intel- und Nvidia-Chipsätzen. In einem Nebensatz sagte Bhutani weiter, dass ab Ende Sommer Dell-Angebote auch für andere Länder außer den USA verfügbar gemacht werden sollen.

Auch Pro-Linux, Golem und TecChannel berichten darüber.

5000 Hewlett-Packard PCs mit Ubuntu für Indien

Auch wenn der Termin von Bdale Garbee, Linux CTO von Hewlett-Packard, wegen eines Terminkonflikts ausgefallen ist, gab Chris Kenyon laut TechIQ eine nette Information preis. Demnach möchte die Universität von Dehli in Indien 5000 PCs von HP auf Ubuntu umstellen. Canonical habe noch mehr solche Vereinbarungen in Vorbereitung, gäbe diese aber nicht vorab bekannt, da Microsoft dafür bekannt sei, kurz vor Vertragsabschluss ein extrem günstiges Angebot in die Runde zu werfen, damit keine Open Source-Software zu Einsatz komme.

Mark Shuttleworth hat auch bestätigt, dass es in Zukunft mehr PCs großer Hersteller mit vorinstalliertem Ubuntu geben wird. Leider nannte er weder Namen noch Daten.

Ubuntu für Small Business Server

Canonical will die Entwicklung eines Small Business Server vorantreiben, wie man im Blog von All About Ubuntu nachlesen kann. Mark Shuttleworth hat auch dies in seiner Keynote angedeutet und obwohl er nicht angab, wann ein solcher Server verfügbar sein könnte, gab er bekannt, dass die Anstrengungen im Server-Bereich in den nächsten 12 Monaten verstärkt würden. Zusätzlich soll den Administratoren noch diverse Programme an die Hand gegeben werden, um die Server lokal oder fern bedienen zu können.

Diskussion mit Novell und Red Hat angestrebt

In seiner Keynote hat Mark Shuttleworth zu einem offenen Dialog mit anderen Linux-Distributoren wie Novell oder Red Hat aufgerufen. Er will bis 2010 alle Distributionen auf ein gemeinsames Line-Up bringen, so dass diese gemeinsamer auftreten und vor allem den Enterprise-Markt, auf den Canonical in Zukunft verstärkt abzielt, leichter erschließen können. Shuttleworth sprach ein ähnliches Thema auch schon auf der aKademy 2007 an, bei der er einen gemeinsamen Veröffentlichungszyklus für KDE, GNOME und andere Software ansprach.

Ubuntu-Training soll Windows-Umsteigern helfen

Ende des Jahres will Canonical diverse Ubuntu-Trainings für IT-Spezialisten, aber auch Standardanwender veranstalten. Bereits letzten Freitag wurde die Nachricht angekündigt und weitere Details wurden nun veröffentlicht. So soll im Laufe des Monats ein System Builder-Programm angekündigt werden, welche das Training enthält und Systembauern zeigt, wie man Ubuntu installiert, konfiguriert und testet, bevor man es an Kunden verschickt.

An der Hochschule von Portland scheint bei den Schülern so ein Training nicht mehr notwendig zu sein, denn diese haben die System76-Laptops mit Ubuntu alle positiv aufgenommen. Nur die Lehrer hatten Probleme im Umgang mit der neuen Software; für sie wurde ein Dualboot-System mit Windows XP eingerichtet.

Intel goes Open Source

Zu Intels Bestrebungen im Bereich Linux äußerte sich Doug Fisher, Vizepräsident bei Intel. So will das Unternehmen Open Source-Entwicklungen gegenüber offener werden. Einer der Hauptschritte hierzu ist das Projekt-Portal Moblin.org, welches letzte Woche gestartet wurde. Hier sollen Projekte ihre Heimat finden, die sich mit der Entwicklung von Treibern für Intel-Hardware befassen.

Wie man Microsoft schlägt

In seinem Vortrag hat der RedMonk-Analyst Stephen O'Grady erklärt, wie man Microsoft am besten schlagen kann, wenn man den Launchpad Bug #1 lösen will. So soll man sich auf die Systemverwaltung konzentrieren, bei der man mit apt-get bereits ein sehr mächtiges und komfortables Paketverwaltungsprogramm in den Händen hält. Ubuntus zweite große Stärke ist natürlich dessen riesige Community, die es teilweise zwar auch für das Windows-Betriebssystem gibt, aber von Microsoft nicht derart stark unterstützt wird.

Die Präsentation mitsamt der Rede ist auch in O'Gradys Blog verfügbar.

50 Dinge, die man über Ubuntu wissen sollte

Der Blogger The VAR Guy von TechIQ war auch auf der Ubuntu Live-Konferenz und hat dort 50 interessante Themen kurz aufgegriffen und berichtet darüber. Es geht unter anderem um die 5000 Hewlett-Packard PCs mit Ubuntu (siehe oben), die Ubuntu-Trainings (siehe auch oben), die neue Ubuntu Mobile-Version, die 6 bis 12 Millionen Ubuntu-Nutzer und vieles mehr.

Hier findet man die einzelnen Teile:

Fazit

War Ubuntu Live ein Erfolg? Teils ja, teils nein. Canonical Marketing Manager Gerry Carr berichtet in einem kleinen Video darüber, wie die Veranstaltung gelaufen ist. Man hatte ca. 700 Besucher, was gerade einmal die Hälfe des Red Hat Summit 2007 war. Dennoch ist man sich sicher, dass es eine zweite Ubuntu Live-Konferenz geben wird. Über die Ausrichtung und vor allem die Zielgruppe will man aber vorher noch einmal genauer beraten.

Eine weitere Zusammenfassung der Ubuntu Live-Geschehnisse findet man bei Linux.com.

Wer an den einzelnen Präsentationen interessiert ist, findet einen Großteil davon auf der Ubuntu Live-Konferenz-Seite. Leider haben aber nicht alle Sprecher ihre Präsentationen dort online gestellt.

In eigener Sache

Noch eine kurze Anmerkung: Wir entschuldigen uns hiermit bei einigen Lesern, die per Ikhaya-Vorschlagsseite Themen eingereicht haben, die wir bereits am Montag in der Ubuntu Live-Meldung stehen hatten. Durch den Titel "Ubuntu Live Konferenz gestartet" und die Einleitung haben wohl nur wenige erwartet, dort etwas neues zu Ubuntu zu erfahren. Wir hoffen, mit dieser Meldung mehr Leser angesprochen zu haben!

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