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Ubuntu und ich - ein Unfall!

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Dieser Beitrag wurde eingereicht durch Julius Schulz und wird wie immer unverändert und in voller Länge publiziert. Vielen Dank hierfür.

Den ersten Kontakt zu Linux im allgemeinen hatte ich im Alter von vielleicht elf oder so. Die Rechner in der Schule liefen sowohl unter Dos als auch unter Linux. Irgendwie faszinierte mich damals schon der Unterschied zur damals noch vor allem DOS-Welt. Naja, ich wollte also auch zuhause Linux haben. Der Vater eines Freundes half mir damals, S.u.S.E Linux 5.0 (glaube ich, oder 5.2) zu installieren. Die anfängliche Begeisterung wich bald der Ernüchterung, denn ich konnte wenig mit dem System anfangen. Von Benutzerfreundlichkeit war das System auch ziemlich weit entfernt - FVWM95 war der letzte Schrei, von KDE und Gnome noch nichts zu sehen. Immerhin, an XBill konnte man seinen Microsoft-Frust abreagieren ;) .

Letztenendes flog das System wieder von der Platte, ich hatte damals nur eine 2GB-Platte und die füllte sich schnell mit allem möglichen und so ein Linux fraß damals schon einiges. Doch zumindest über die Schule arbeitete ich stets mit einem Linux-System, sodaß ich merkte, wie das System allmählich erwachsen wurde. Es folgten hinundwieder einzelne Versuche, Linux auf meinem Rechner zu einer festen Rolle zu verhelfen, aber irgendwie war ich nie zufrieden; es mag auch dem fehlenden Willen sowie der in diesem Alter durchaus ausgeprägten Spielneigung zuzuschreiben sein.

Kurz vor meinem Abi überlegte ich dann, ob der Fehler vielleicht darin lag, daß ich einfach die (für mich) falsche Distribution gewählt hatte. Ich begann zunehmend eine Abneigung gegen Suse (das wir in der Schule nutzten) und auch gegen das KDE zu entwickeln. So lag der Schritt nahe, mal was anderes auszuprobieren. Ich spielte also RedHat auf. Auch wenn mir das ganze mittlerweile wesentlich besser gefiel, der Wille, dieses auch regelmäßig zu nutzen, wollte sich nicht einstellen. Es gab damals auch ein paar Windows-Programme, auf die ich nicht verzichten konnte - dies waren insbesondere Photoshop und InDesign fürs Abibuch. Aus Platzgründen tilgte ich auch das nun wieder von der Festplatte und riß dabei mein ganzes System mit - das Abibuch war Futsch, wenigstens war die CD mit der endgültigen Version schon bei der Druckerei :) .

Nach einem anschließenden kurzen Intermezzo mit FreeBSD (der X-Server wollte nicht) war ich dann wieder reiner Microsoft-Jünger. Mit dem Studienbeginn und dem Umzug von der Spree an die Isar hatte ich nun endlich auch einen DSL-Anschluß, damit läßt sich nun entschieden mehr anstellen. Da aber über die Microsoft Academic Alliance unter anderem sämtliche MS-Betriebssysteme zur Verfügung standen, beschränkte sich meine Experimentierfreudigkeit zunächsteinmal darauf. Einige Zeit später setzte ich mir dann in den Kopf von den ganzen schönen im Laufe der Zeit angesammelten Warez loszukommen, ein Schritt der sich beim Umstieg auf Linux letztendlich sehr bezahlt machte.

Und dann kam der Tag, der alles verändern sollte. Mein Bruder - also nicht ich ;) - erwägte den Umstieg auf Linux und bat mich, ihm ein Ubuntu-Image herunterzuladen (daheim haben wir nur ISDN), einer mir bis dato völlig unbekannten Distribution; das war zu Hoary.Zeiten. Neugierig wie ich war zog ich mir gleich noch die Live-CD und war begeistert davon, daß meine gesamte Hardware augenblicklich unterstützt wurde. Also dachte ich mir, okay, ich hab da noch 'ne Partition, mach' ich die frei und haue Ubuntu drauf. Gesagt getan. Die Installation lief soweit auch wunderbar, nur leider hat der Ubuntu-Partionierer es irgendwie geschafft, die Windows-Partition unbootbar zu machen. Eine Google-Suche brachte zwar angebliche Lösungsstrategien zu Tage, nur funktionieren wollte keine. Nun stand ich also vor der Wahl: Windows neu installieren oder geb ich Linux mal eine reelle Chance?

Man kann sich sicher denken, daß ich mich für letzteres entschieden habe :) . Wie das bei einem neuen System der Fall ist, muß das ganze ersteinmal an die persönlichen Präferenzen angepaßt werden. Das hieß ersteinmal dieses unschöne Human-Theme beseitigen und allerlei Kleinigkeiten anpassen. Das nächste Projekt war das meine DVB-T-Box. Das war einer der Punkte der mich besonders erstaunt hat. Mit Kaffeine lief das Ding augeblicklich und besser (!) als mit Originalsoftware unter Windows. Überhaupt hat mich die Hardware-Unterstützung beeindruckt, vor allem wenn man bedenkt, daß das ganze auf einem Laptop ablief, der nebenbei aber auch als Desktop-Rechner dient. Auch mein Drucker lief auf Anhieb (HP Laserjet 1300). Ich habe auf den Original-ATI-Treiber verzichtet, nachdem der auch immer den Laptop-Monitor anhaben wollte. Nach wenigen Anpassungsschritten lief allmählich so fast alles. Das einzige was ich bis jetzt nicht befriedigend zum Laufen bekommen habe, ist die DVD-Funktionalität. Mit vlc kann ich schon DVDs schauen, die Menüs laufen jedoch als Film ab, bei DVDs wie den HdR-Anhängen denkbar unpraktisch. Naja, dies kann ich verkneifen, zu Windows kehre ich jedenfalls nicht zurück...

Das allergrößte Problem war nun, sich innerhalb des OpenSource-Programm-Jungles zurechtzufinden. Hierbei war die Paketverwaltung über Synaptic von unschätzbarem Wert. Mittlerweile bin ich zu folgender Programmausstattung übergegangen:

  • Evince als Dokumentenbetrachter (mit dem Adobe Reader für Härtefälle)
  • gtklp für spezielle Druckwünsche (wirklich ein super Programm, auf das ich im Forum gestoßen bin)
  • K3b fürs CD-Brennen (wohl bald Umstieg auf GnomeBaker)
  • gThumb als Bildbetrachter
  • GIMP als Bildbearbeitung
  • InkScape für die Vektorgraphiken
  • Totem als Universal-Mediaplayer
  • amaroK als Musikplayer
  • Kaffeine fürs Fernsehen
  • FireFox als Browser
  • Evolution als MailClient
  • Gaim für ICQ und MSN
  • AbiWord als Textverarbeitung (OOWriter für Word-Härtefälle)
  • Gnumeric als Tabellenkalkulation
  • TeX mit SciTE als Editor für so ziemliche alle Dokumente, die ich so schreibe
  • Wissenschaftliche Spezialprogramme: Grace (Plotten), Maple (symbolisches Rechnen, unfrei), Matlab (numerisches Rechnen, unfrei)

Inzwischen bin ich natürlich auf Breezy umgestiegen und erwarte sehnsüchtig das Dapper-Release. Insgesamt habe ich erst jetzt begriffen, wie konkurrenzfähig freie Software mittlerweile ist und daß man hervorragend mit dem leben kann, was man in den Ubuntu-Repositories vorgesetzt bekommt. Ich bin also mittlerweile begeisterter Ubuntu-Nutzer und es scheint keine andere Distribution auf dem Markt zu geben, die meine Wünsche besser erfüllt: Einfachheit und trotzdem volle Kontrolle bei Bedarf gepaart mit einer sympathischen Gesamtkonzeption.

Beim Umstieg war die ubuntuusers.de Community außerordentlich hilfreich. Dies betrifft sowohl das Wiki als auch das Forum. Auch wenn ich dort noch nie gepostet habe, verfolge ich immer wieder die Themen dort und bin auf so manch interessanten Beitrag gestoßen. Insbesondere Danken möchte ich den Betreibern dieser wunderbaren Community, sowie elyps für sein hervorragendes Ubuntu-Einsteigerbuch, den Machern von about-linux.com für den tollen Videoworkshop und Ninnghizidha für einen Thread, der mir vor einiger Zeit viele Anstöße für die Anpassung des Systems gegeben hat. In diesem Sinne soll dieser Beitrag ein Dankeschön an die Gemeinschaft darstellen, von der ich viel profitiert habe und der ich nun in einem bescheidenen Beitrag etwas zurückgeben möchte.