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Warum ich ubuntu Fan geworden bin – Teil 2

Dies ist die Fortsetzung des Artikels "Warum ich ubuntu fan geworden bin" geschrieben von Thomas Schaaff in Form eines Erfahrungsberichtes. Danke hierfür und wir freuen uns auf weitere Berichte.

Und da war noch der, der eben mal ubuntu auf seinen Rechner schmeißen wollte ... Nein, ich muss bei der Wahrheit bleiben. Ich bin eher der gegenteilige Typ. Lieber einmal heftig nachdenken – vorher, als ein Computer-Leben lang bereuen – hinterher. Denn das kann lange währen.

Im Anwenderhandbuch steht, mit etwas Nachdenken, Mut und Geduld könnte nichts schief gehen. Also soll niemand sagen, ich hätte es nicht vorher gewusst. Ganz so einfach, wie's manchmal klingt, - CD rein, installiert, Erfolg raus – also ganz so war's bei mir nicht. Kann aber auch sein, dass es an meiner Denke liegt oder an meiner fehlenden Geduld. Dann hätte ubuntu sogar noch einen erzieherischen Zweck bei mir zu erfüllen.

Geduld lernen beim Lernen!

Egal. Jetzt geht es erst einmal los.

Was ich mir überlegt habe, ist Folgendes: Auf hda liegen meine Seminare, Prospekte, Serienbriefe, Adressen, Termine, Buchmanuskripte und so was alles. Getreulich bewacht und verwaltet von SuSE 9.3. Die darf ich nicht verlieren. Also hab ich zur Sicherheit mal das Homeverzeichnis auf DVD gebrannt, man weiß ja nie! Nur, wie man ein Backup von evolution macht, ist mir nicht klar. Das lerne ich erst Wochen später im Forum von ubuntuusers. Aber was soll's! Bleibt evolution halt ungebackupt. Ganz ohne Risiko macht das Leben eh nur halb so viel Spaß. Ein bisschen Kribbeln muss sein.

Also, um auf Nummer Sicher zu gehen, eine zweite Festplatte. Ich will nix mit Partitionsverkleinerung oder vmware zu tun haben. ubuntu soll auf hdb. Aber Halt! Geht das überhaupt? Zwei Linuxe in einem Rechner? Windows und Linux parallel ist ja auch nicht so ganz ohne. Ich meine, wenn nur der MBR überschrieben wird, das ist ja kein Problem. Aber wenn die beiden Linuxe sich beißen und gegenseitig kaputt machen? Dann steh ich da ohne Daten. Also erst einmal fragen. Wo? Na bei ubuntuusers, wo sonst. Die Antwort kommt schnell und beruhigend: Das dürfte kein Problem sein. Damit dürfte ubuntu wohl klar kommen. Gut. Wobei in dem Wort „dürfte“ ein gewisses Restrisiko liegt. Natürlich müsste ich bei der Partitionierung aufpassen, dass nix mit hda passiert. Is' mir klar.

Und dann fängt's an. Die Installationsroutine erkennt brav mein SusE auf hda und schlägt gleich hdb als Installationsort für ubuntu vor, weil da noch alles frei wäre. Da ich das genauso sehe, stimme ich dem vorbehaltlos zu. Der Rest ist einfach nur noch erfreulich. Die Fragen klar und verständlich, die Optionen so eindeutig, dass mir die Wahl leicht fällt. Mit einem Blick auf die LEDs meines DSL Routers sehe ich, dass der auch erkannt wurde und dem Vorschlag, die fehlenden deutschen Sprachpakete nach dem Rebooten nachzuladen habe ich nichts entgegenzusetzen. Soll er doch.

By the way: heißt es eigentlich der ubuntu, das ubuntu oder die ubuntu? Solange das nicht geklärt ist, bleibe ich bei der. Das hat nichts mit männlicher Überheblichkeit zu tun, sondern mit Breezy Badger. Es heißt ja schließlich der Frechdachs. Legt man allerdings die Distribution zugrunde, hieße es die ubuntu und fühlt man sich eher an bunt erinnert, könnte man auch das ubuntu sagen. Welches Geschlecht hat eigentlich ein Betriebssystem? Wäre doch mal ein interessantes philosophisch/psychologisches Thema. Aber ich schweife ab.

Ich schreibe also während der Installation auf meinen Block rechts neben der Maus (die uralte analoge Speichermethode Tinte auf Papier ist nicht auszurotten bei mir): Alles läuft schnell, einfach und sehr klar. Als dann noch ubuntu vorschlägt, den Eintrag in Grub selbst vorzunehmen, damit ich künftig zwischen SuSE und ubuntu wählen kann, bin ich vollends beruhigt. Beim Neustart bleibt mein Bildschirm schwarz bis auf die Meldung Grub Error 18!

Ende Kalende. Ich kann nicht mal ins Internet gehen, um nach Error 18 zu googlen. Gut, dass das „dürfen“ mich schon vorher nach einer Lösung hat suchen lassen. Mit der Reparaturfunktion der SuSE DVD lässt sich Grub wieder herstellen. Das gelingt dann auch. Und siehe da, nun habe ich ein Auswahlmenü für SuSE und ubuntu. SuSE läuft. uff! Erleichterung. ubuntu nicht. Error 18.

Ich habe keine Lust lange nach Error 18 zu suchen, zumal google mir nur anbietet, meine Festplatte wäre größer, als das Bios es erlaubt. Quatsch! Also starte ich die Installation von ubuntu neu. Samt Partitionierung, aber mit mehr Spannung und weniger Hochgefühl diesmal. Den Eintrag lasse ich jetzt nicht automatisch durchführen. ubuntu ist empört und kündigt mir die schrecklichsten Konsequenzen an. Ich bleibe tapfer und bestätige immer wieder, dass ich sehenden Auges und mit vollem Bewusstsein die Katastrophe will. Irgendwann auf diesem Weg gibt ubuntu nach und sagt mir, sichtlich erschöpft, dann müsste ich halt in Gottes Namen den Eintrag von Hand vornehmen (das wollte ich doch von Anfang an). Und dann kriege ich noch mitgeteilt, was ich schreiben soll. Das finde ich ausgesprochen nett. Wo ich doch vorher so uneinsichtig war. Wieder treten Block und Füller in Aktion und ich notiere den Eintrag. Das war aber unnötig, denn nun funktionierts. ubuntu wird wieder geladen, und die Installation, samt Ergänzungspakete aus dem Internet werden zu ende geführt. Ich habs!

Aber es sieht grässlich aus. Was für eine Bildschirmauflösung! 640x480. Und die lässt sich nicht verändern. Es wird mir einfach keine Alternative angeboten. Böses Ding, Du. Aber da hatte ich doch was im Anwenderhandbuch gelesen. Gut dass ich es ausgedruckt habe (analoge Speichermethode, hä hä). Liegt neben meinem Block. Da gab es doch einen Abschnitt „Mein Bildschirm flackert.“ Ich meine, das tut er zwar nicht, aber es könnte trotzdem helfen. Tut es! Mein Monitor (Samsung TFT) wurde nicht erkannt. Kaum habe ich in die xorg.conf nach dem im Handbuch beschriebenen Modus meine Monitordaten eingetragen, kann ich alles einstellen, was ich will. Gutes Ding, Du.

Jetzt fängt der Spaß an! Programme aussuchen und über Synaptec bzw. apt-get holen. Vorher noch die Repositories freischalten. Ist alles im Handbuch beschrieben. Habe ich vorher gelesen und mir sogar die Seitenzahlen auf meinem Block notiert. Also geht’s ruck zuck. Schön, das. Ist richtig gut und sehr übersichtlich, vor allem, wenn man Yast gewohnt ist. Seufz.

Mutiger geworden, lese ich von Automatix. Das Skript muss her. Das ist ja große Klasse. Auch dass Automatix meine sources.list überschreibt, lässt mich inzwischen völlig kalt, da ich weiß, dass vorher ein backup meiner alten Liste angelegt wird. Inzwischen habe ich nämlich gelernt, dass bei Linux alle Konfigurationen modular in Textdateien angelegt werden, die man verstehen und editieren kann! Mein altes DOS lässt grüßen. Auch diese Erkenntnis ist ein Erfolg von ubuntu. Denn SuSE hält einem, folgt man dem Gesetz der Trägheit, in dem Bestreben alles so leicht und windowsähnlich wie möglich zu machen, davon ab, bis zu diesen Textdateien vorzudringen und sie zu bearbeiten. Warum sollte mein träges Hirn das auch tun? Wenn es doch auch mit Mausklick geht. Ganz einfach, weil du nur dann verstehst, was du tust, wenn du es selber tust und nicht irgend ein Dialogfeld das machen lässt. Klar dass es klappt, wenn die bei SuSE ordentlich gearbeitet haben – in der Regel tun die das auch – aber geht es nur um das Klappen? Ich wollte doch mehr.

Doch dazu will ich das nächste mal schreiben, wenn es darum geht zu erzählen, wie das mit dem Netzwerk war und wie ich gelernt habe, dass Information der erste Schritt zur Freiheit ist. Jetzt ist erst einmal Freuen dran, dass alles so gut geklappt hat und ich in doch sehr schneller Zeit und mit wenig Aufregung ein schönes, flottes und offensichtlich auch gut funktionierendes System nach meinen Wünschen zusammenbauen konnte. Obwohl natürlich der Härtetest noch aussteht. Wie sieht es aus, wenn ich mit den einzelnen Programmen arbeiten will. Bis jetzt habe ich nur geguckt, ob sie sich starten lassen und genauso aussehen, wie ich's gewohnt bin.Sie tun's!

Und dann will ich meine Gnome Menüs umgestalten. Habe ich doch gelesen, Gnome 2.12 kann das. Und dann will ich doch auch noch wissen, ob ich auch Debian Pakete installieren kann und rpms und wie ich den Mülleimer auf den Desktop kriege und son Zeug. Aber für heute ist mir das alles viel zu viel. Enden will ich mit einem Highlight. Gefunden in ubuntuusers. Gibt es doch da eine Anleitung, wie ich die Wortschatz-Datenbank der Uni Leipzig als Thesaurus in open office laden kann. Wisst ihr eigentlich, ihr vom Forum, wie oft ich bei meinen Übersetzungsarbeiten oder für meine Artikel und Manuskripte via Netz diese Seite aufrufe? Das geht jetzt einfach so in open office! Direkt beim Schreiben, ohne Umweg. Das ist genial! Auch für diesen Bericht. Dem bald ein nächster folgen wird ... so long.