ubuntuusers.de

Das Portal ist umgezogen. Es kann noch an der ein oder anderen Stelle ruckeln, bis der Cache aufgebaut ist.

Die Neuerungen von Unity in Ubuntu 11.10 „Oneiric Ocelot“

software.png

Zur kommenden Ubuntuversion Oneiric Ocelot sind viele Verbesserungen in Unity eingeflossen, die in diesem Artikel etwas näher beleuchtet werden sollen.

Unity macht sich! Wer die kommende Version von Oneiric ein wenig getestet hat, wird feststellen, dass dessen Desktop Unity wesentlich geschmeidiger und konsistenter läuft, als dies noch in Natty der Fall gewesen ist.

Zusammenfassend kann man sagen: Steckte Unity in Natty noch in den Kinderschuhen, ist es in Oneiric auf einem guten Wege, um in Precise (Ubuntu 12.04) ausgewachsen und stabil zu sein. Das passt dann auch genau zum Release der LTS-Version.

Unity

Steckbriefe_der_Ubuntuversionen/ubuntu1110.png
Desktop von Oneiric Ocelot

Unity wurde in Oneiric Ocelot deutlich weiterentwickelt. Die wesentliche Merkmale sind eine Startleiste am linken Rand und die großflächigen Programmstarter. Außerdem werden die Programmmenüs nicht mehr in den jeweiligen Fenstern, sondern im oberen Panel dargestellt.

Der in Ubuntu 10.10 Maverick Meerkat als Netbook Edition eingeführte Desktop wurde für die Vorgängerversion Natty komplett umgeschrieben und basiert auf Compiz, weshalb für die Nutzung von Unity zwingend ein 3D-fähiger Grafiktreiber notwendig ist. Mit Intel-Grafikkarten funktioniert Unity im Normalfall sofort. Auch mit den meisten AMD-Grafikkarten sollte Unity sofort nach der Installation laufen.

Einzig die neuesten AMD-Grafikkarten, die vom freien Radeon-Treiber nicht unterstützt werden, und nahezu alle Nvidia-Karten erfordern die Installation des proprietären Grafiktreibers. Sollte der Grafiktreiber nicht 3D-fähig sein, wird beim Starten statt der Unity-Oberfläche nicht mehr automatisch der klassische GNOME 2 Desktop gestartet, sondern der Unity-2D-Desktop. Dies überprüft man idealerweise vor einer Installation mit Hilfe einer Live-CD oder eines Live-USB-Sticks.

Zu Unity wurde schon viel gesagt und geschrieben. Allein im Planeten findet man dutzende Artikel. Deswegen soll an dieser Stelle auch nicht auf das Für und Wider eingegangen, sondern nur einige Neuerungen erwähnt werden. Der Ikhaya-Artikel Ausführliche Vorstellung von GNOME 3 Shell und Unity beleuchtet die Unterschiede zwischen GNOME und Unity.

  • Unity einstellen: Möchte man Unity selbst ein wenig konfigurieren und einstellen, sollte man sich den CompizConfig Einstellungs-Manager installieren

  • Shortcuts nutzen: Unity bietet eine Menge Shortcuts. Einen Überblick erhält man auf Unity keyboard/mouse shortcuts

  • Overlay Scrollbars: Die Scrollbars in Natty sind komplett überarbeitet worden und präsentieren sich in vielen Programmen in einem schlankeren Design 🇬🇧

  • Kleine Perlen: Der „Anfassbereich“ von Fenstern, um diese in der Größe zu verändern, wurde vergrößert, so dass das „Anfassen“ nun wesentlich einfacher ist. Mit „Aerosnap“ kann man Fenster sehr einfach am Desktop anordnen. Die meisten Menüs der Fenster befinden sich im Panel. Zwei weitere Perlen: Der Launcher funktioniert Arbeitsflächen-übergreifend und Programme können in der Desktop-Übersicht hin und her geschoben werden.

Neuerungen in Unity

Auffälligste Neuerungen sind der Alt + Tab ⇆ -Switcher, eine deutlich bessere Performance des Panels und des Launchers durch die Portierung zu GTK 3 und überarbeitete Indikatoren – namentlich der Session- und der Power-Indicator.

Scopes und Lenses

oneiric_lenses.png
Die neuen „Sucher“ und „Linsen“

Eine besondere Neuerung bekam laut Shuttleworth die Suchfunktion, die nun eine Verfeinerung der Suche bietet. Dabei spielen die sogenannten „Scopes and Lenses“ eine wichtige Rolle. Scopes ist Englisch und hat im Bereich der Waffentechnik die Bedeutung „Sucher“. Die „Lenses“ sind einfach „Linsen“ oder auch „Objektive“. Eine direkte Verbindung von beidem wird schnell klar. Die Scopes stellen die Datenquellen dar und können sowohl Offline- als auch Onlinedaten umfassen. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass diese Quellen auch Datensätze mit kategorisierten Suchergebnissen liefern können.

Die „Lenses“ wiederum stellen eine Art Filter dar. Sie filtern die Datensätze nach verschiedenen Kriterien. Dies könnte zum Beispiel der Typ einer Datei sein (Foto, Video oder Musik) oder „Nur Anwendungen mit einer 5-Sterne Bewertung im Software Center“.

Eine Herausforderung für Shuttleworth ist es, die in Zukunft immer größer werdende Anzahl der Scopes und Lenses auch weiterhin übersichtlich und klar strukturiert darzustellen. Das zur Zeit existierende Model der „Places“ zur Verfeinerung einer Suche wird zur Zeit dahingehend umgearbeitet. In Oneiric Ocelot kommen diese Neuerungen erstmals zum Zuge.

Wer eine genauere Vorstellung der genauen Funktionsweise der Scopes und Lenses haben möchte, findet auf Mark Shuttleworths Blog 🇬🇧 auch eine Beispieldarstellung des angedachten Designs.

Neuerungen beim Panel

oneiric_dash.png
Die neue Dash von Unity

Die obere linke Ecke des Bildschirms wird durchgehend die Bedienelemente des aktuell aktiven Fensters (Schließen, Minimieren, Maximieren) beinhalten. Bisher war das nur bei maximierten Fenstern der Fall. Dieses Verhalten der Fensterbedienelemente sei auch ein Grund gewesen, sie vor einiger Zeit auf die linke Seite zu verschieben.

Der Button zum Aufruf des Dash befindet sich nun nicht mehr auf der Titelleiste, sondern wandert in den Launcher. Nachteilig hierbei ist, dass nun noch weniger Programmstarter in diese Leiste passen. Mark Shuttleworth begründet diese Entscheidung aber damit, dass die obere linke Ecke zum schließen verwendet wird und zweitens, dass das Dash auch sehr gut mit der Super-Taste geöffnet werden kann. Des Weiteren wurde nach Tests mit Benutzern klar, dass diese häufiger Element im Launcher suchen, statt auf die obere linke Ecke zu klicken.

Visuelle Verbesserungen

Die Hintergrundfarbe vom Dash wird nun nicht mehr schwarz sein, sondern sie wird sich der Farben des Hintergrundes anpassen. Außerdem wurde das Panel mit dem Dash integriert, sodass die Indicators in ein besseres Aussehen innerhalb des Dashs dargestellt werden.

Die Farbgebung wird nicht nur einfach dunkel bis schwarz sein, sondern auf dem Farbschema des Desktops basieren und elegant durchsichtig sein. Dasselbe Konzept wird für den Login-Bildschirm umgesetzt. Dabei soll schon das Auswählen eines Benutzers den Wechsel des Desktophintergrunds und der verwendeten Farbpalette bewirken.

Unity-3D und Unity-2D sind nun enger zusammengewachsen. Beide sehen jetzt ähnlicher aus und teilen sich neben einen großen Teil des Codes auch die gleichen Dienste, aber auch die gleichen Fehler. Unity läuft somit nun auf einer großen Hardwarebasis. Sowohl bei einem leichtgewichtigen System mit einer ARM- oder Intel Atom CPU bis zu High-End PCs mit einer zusätzlich zum Prozessor großen GPU Leistung.

Die GNOME3-Shell und der Fallback-Modus

oneiric_gnome-shell.png
Die Shell von GNOME 3 in Oneiric

In Oneiric ist es erstmals nicht mehr möglich die gewohnte GNOME2 Oberfläche zu installieren. Stattdessen ist nun erstmals die GNOME-Shell in Version 3.2 enthalten, die sich nachträglich installieren lässt. Einige Dienste die jedoch in GNOME 3.2 eingeführt worden sind, sind hingegen nicht in der aktuellen Version in der Paketverwaltung enthalten.

oneiric_fallback.png
GNOME3 Fallback

Diejenigen die weder Unity, noch die GNOME3-Shell nutzen möchten, können weiterhin die aktuelle LTS Version 10.04 nutzen, oder den GNOME3-Fallback. Der Fallback-Modus ist primär für diejenigen Nutzer gedacht, deren Hardware-Anforderungen für die GNOME3-Shell nicht ausreicht. Das Verhalten ähnelt jedoch der alten GNOME 2 Oberfläche. Im Gegensatz zu anderen Distributionen ist der Fallback-Modus in Ubuntu optisch besser an das System und an GNOME2-Panel angepasst. Die GNOME3-Shell und der Fallback-Modus lassen sich im neuen Displaymanager LightDM alternativ zu Unity auswählen.

LightDM

oneiric_lightdm.png
Der neue Loginmanager „LightDM”

Mit LightDM wurde zudem noch ein leichtgewichtiger Displaymanager eingeführt und ersetzt somit den GNOME-Display-Manager (kurz: GDM). Das Aussehen von LightDM wurde an dem optischen Erscheinungsbild von Ubuntu und Unity angepasst. Andere Oberflächen, wie etwa Unity-2D oder, falls installiert, die GNOME3-Shell lassen sich dort auswählen.