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Microsoft und die ODF-Unterstützung

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Vor fast genau einem Jahr hat Microsoft angekündigt, ODF in seiner Office-Suite nativ unterstützen zu wollen. Mit dem nun vor kurzem erschienenden SP2 für MS Office 2007 ist das in der Tat möglich.

Das umstrittene Office Open XML (OOXML) soll hingegen erst mit Office 14 Einzug halten und weil Microsoft sogar dem technischen Gremium der „Organization for the Advancement of Structured Information Standards“ (OASIS) beigetreten ist, das für die Weiterentwicklung von ODF zuständig ist, haben sich nicht wenige einen Kurswechsel bei Microsoft erhofft - zu Recht?

Der bei IBM arbeitende und auch im OASIS-Komitee vertretende Rob Weir ist dieser Frage nachgegangen und präsentiert die Antwort in seinem Blog. Seinen Tests zufolge ist die Umsetzung von Microsoft nicht sehr gelungen und es droht sogar Datenverlust, wenn man ODF-Dateien importiert. Noch schlimmer sieht es aber beim Speichern aus. Excel 2007 mit SP2 speichert Tabellendokumente mit einem eigenen namespace der inkompatibel zu ODF ist und auch nicht in OOXML wiederzufinden ist, es handelt sich dabei um eine komplette Neuentwicklung am Standard vorbei. Andere Programme kommen wiederum mit diesen von MS Office gespeicherten ODF-Dateien nicht klar und laden sie nicht oder nur fehlerhaft ein.

Rob Weir kommt zu dem Schluss, dass die ODF-Unterstützung von Microsoft ein großer Rückschritt ist und es schwer ist bei dieser Implementierung keine Absicht zu unterstellen. Die schon lange erhältlichen Plug-Ins für MS Office von Sun und CleverAge können ohne Probleme ODF-Dateien einlesen, nur Office 2007 beißt sich daran die Zähne aus. Ironischerweise wurde der Open XML Translator von CleverAge seinerzeit selbst von Microsoft in Auftrag gegeben und ist als Open-Source verfügbar.

So wie es aussieht hat Microsoft trotz aller Absichtserklärungen keinerlei Interesse daran, ODF richtig zu unterstützen und wird wie schon früher geschehen, versuchen durch „embrace, extend and extinguish“ („annehmen, erweitern und auslöschen“) die weitere Verbreitung von ODF zu torpedieren.


Rob Weirs Blog, Linux-Community

Veröffentlicht von Vegeta | 5. Mai 2009 20:56 | Kategorie: Linux und Open Source | # Fehler im Artikel melden

finaltune

1 5. Mai 2009 21:07

Na, das ist ja mal wieder toll... Ich hoffe, dass irgendwann dieses Monopol aufhört. OpenOffice ist eh besser 😉.

Das_Auge

Avatar von Das_Auge
2 5. Mai 2009 21:09

Kann man was dagegen machen?

Georg.H

Avatar von Georg.H
3 5. Mai 2009 21:16

Darf MS eigentlich seine ODF-Unterstützung ODF nennen, wenn damit etwas neues erfunden wurde?

Master_eD

Avatar von Master_eD
4 5. Mai 2009 21:28

wie zu erwarten

DRice

Avatar von DRice
5 5. Mai 2009 21:29

Und wenn dann Datenverlust zustande kommt ist es das böse ODF-Format. Das hat sich Microsoft ja mal wieder gut ausgedacht.

Silmaril

Avatar von Silmaril
6 5. Mai 2009 21:39

@2: @5:

Vorschlag: Wenn OpenOffice oder KOffice ein kaputtes ODF von MS Office öffnen soll, sollte dem Nutzer einfach kurz und knapp erläutert werden, woran der Fehler liegt. Also keine Fehlermeldung alla

"Ich kann diese Datei nicht öffnen, Lesefehler"

sondern vielleicht "Anscheinend wurde diese Datei mit MS Office Version < 2017 angelegt oder zuletzt bearbeitet. Da MS Office keine Dokumente nach dem gültigen ODF Standart schreiben kann, wird ein öffnen dieser Datei möglicherweiße zu einem nicht verwertbaren Ergebnis führen."

Warum den Nutzer den Grund für den Scheiß verschweigen?

Developer92

Avatar von Developer92
7 5. Mai 2009 21:41

Der Meinung bin ich auch. Wenn Sie schon ODF-Unterstützung bieten wollen, dann bitte richtig und nicht wieder ein neues inkompatibles Format oder so erfinden. Wir ham eh schon genug Formate.

TTinSB

Avatar von TTinSB
8 5. Mai 2009 21:45

gibt es wirklich jemand der etwas anderes erwartet hatte? MS entwickelt grundsätzlich immer am Standard vorbei und versucht seinen eigenen Kram als Standard zu etablieren.

Das ist seit mindestens 20 Jahren in allen Bereichen in denen MS je aktiv war so. Programmiersprachen, Multimediaformate, Datenbanken, Dateiformate,...

JaiBee

Avatar von JaiBee
9 5. Mai 2009 22:06

👿

Mogli91

10 5. Mai 2009 22:15

Dass sich M$ mit ODF "angefreundet" hat ist doch sicher nicht als neue "Ehe" anzusehen; eher als eine ungeliebte Stiefmutter, die man sich ins eigene Haus geholt hat, um sie dann nicht zu beachten. Aber klar, ihr habt recht, wenns nich funzt, dann is das ODF dran schuld und die M$-Office Nutzer kacken die OOo Nutzer an, sie würdem einem kaputte Dateien schicke - ob das Absicht war, sei mal so dahin gestellt.

Zado

Avatar von Zado
11 5. Mai 2009 22:19

Im Grunde ändert sich doch nichts OpenOffice bleibt einfach zu MS Office inkompitabel. Das hier allerdings Microsofts Strategie „embrace, extend and extinguish“ funktionieren wird wage ich allerdings zu bezweifeln. OpenOffice (ODF) wird weiter wie früher verwendet werden.

CyD

Avatar von CyD
12 5. Mai 2009 22:55

@6: gute Idee! 😀 Sollten wir mal ein Ticket an die Entwickler schreiben.

@Topic: War ja irgendwie klar ☹

Seebär

Avatar von Seebär
13 5. Mai 2009 22:59

Das ist doch endlich mal eine klare und vor allem stringente Vorgehensweise von M$. Wer jemals von Office XP/2003 auf 2007 gewechselt hat lernt Backups erst richtig zu schätzen. Insofern ist es doch nur konsequent wenn bei einem Austausch zu einem Drittsystem ebenfalls Daten verloren gehen, und dann auch gleich richtig.

Lächerliche Info-Popups mit Datenverlust-Meldung nach(!) dem Speichern sind out (heute live & in Farbe selbst erduldet), Fehler beim Laden sind in!

nexonic

14 5. Mai 2009 23:25

@11: Sicher wäre ich mir da nicht. Sie haben es schließlich damals auch mit dem IE geschafft, Netscape auszuschalten. Und wenn Sie jetzt viele Leute anziehen mit dem Ribbon Interface, tollen Funktionen, die kein Anderer hat, dann ... 😢

dh09

15 5. Mai 2009 23:51

@14 ... ich will ja nichts sagen, aber ich find das Ribbon einfach nur unpraktisch und SEHR gewöhnungsbedürftig......

Aber ich denke nicht, dass OOo so schnell weg vom Fenster sein wird, wie Netscape^^ Eher das Gegenteil.

Krisska

16 6. Mai 2009 00:16

Ich bin glaub ich kein Wahrsager, wenn ich es vorausgeahnt habe.

nexonic

17 6. Mai 2009 00:35

@15: Darüber kann man ja geteilter Meinung sein (ich z.B. finde es praktisch), aber soweit ich weiß, gibt es in MS Office 07 viele andere Sachen (z.B. schicke Bilderrahmen, anpassbare Schatteneffekte, ...), mit denen Microsoft viele begeistern kann.

glasen

18 6. Mai 2009 01:53

Bevor hier die Diskussion und das Microsoft-Gebashe richtig losgeht :

1. Der Test bezieht sich nur auf ODS-Dateien, also nur Spreadsheet-Dateien. Von ODT-Dateien (sprich Textverarbeitung) ist dort mit keiner Zeile was zu lesen.

2. Im ODF-Standard 1.1 sind Namespaces für Formeln noch nicht enthalten. Diese werden erst in Version 1.2 enthalten sein und dieser ist noch nicht fertig. Bisher gibt es nur die Empfehlung "Do it the OO.org-Way!".

3. MS hat sich bei der Umsetzung des Standard Buchstabengetreu an jenen gehalten. Und dort wo halt noch Lücken sind, hat man auf den "bewährten MS-Standard" zurückgegriffen.

Bordi

Avatar von Bordi
19 6. Mai 2009 07:49

Wieso erstaunt mich die Meldung so-was von überhaupt nicht?

@5 Genau, und immerhin wurde das OpenSource-zeugs ja sowieso nur von Bastlern entwickelt und somit auch nicht erstaunlich wen mal was nicht funktioniert. Währen bei der Entwicklung Professionelle Programmierer -wie bei Mayosoft- am werke gewesen dann würde es auch sicher funktionieren.

BennoB

20 6. Mai 2009 13:04

Microsoft ist ja nicht einmal in der Lage, die eigenen Formate konsistent zu halten (man denke an den Versuch, eine .docx mit dem MS-Office für XP zu öffnen). Also wen wundert's?

Firvin

21 6. Mai 2009 13:44

@17: die schicken Bilderrahmen sind für die Leute, die Word nachwievor für ein Bildbearbeitungsprogram halten. Und das sind dank EU-Computerführerschein leider jede Menge.

Sorry, das musste raus, hatte erst heute wieder so einen "Experten" für Bürotätigkeit hier vorstellen....

spbfreaker

Avatar von spbfreaker
22 6. Mai 2009 13:57

hoi na ja... war klar dass m$ sowas macht... gibt ja auch das Argument "OO kann m$-Dateien erstellen und MSOffice kann keine OO-Dateien erstellen" .. nun kann ma sich das Argument abschminken.

MSOffice gefällt mir persönlich und zwar nicht weil das so farbig aussieht, sondern, weil wenn man was peppiges in seinem Dokument braucht ist es ziemlich schnell zu erstellen, wegen vielen Möglichkeiten. Bei OO ist man nicht so flexibel, dass ma statt einem langweiligen Doc. einen richtig aufgepeppten Doc. erstellen kann.

Ich benutze OO, weil ich das schlichte mag. Aber manchmal brauche ich nun mal auch die Funktionen von M$Office ☹ wäre schön, wenn es zwei OOs gäbe und man sich zwischen so einem wie bei M$ oder wie bei uns entscheiden könnte.

mlg Ilja

MBA-systems

Avatar von MBA-systems
23 6. Mai 2009 14:04

wieso gibt's die funktion eigentlich nur in Office 2007 ich glaub M$ will die Leute nur mit diesem "Vorteil" dazu bringen ihr altes office abzuschaffen und office 2007 zu kaufen, denn das ist ja "kompatibel"

gh1234

24 6. Mai 2009 15:50

Ich hab hier grad 2007 am laufen... und finde es eigentlich toll! Bitte jetzt nicht schlagen 😛 Aber alleine die schlechte ODF Unterstützung ist für mich eher ein Grund zu wechseln.

BennoB

25 6. Mai 2009 16:03

@23

Genau diese Strategie verfolgt Microsoft seit langem: Die Nutzer der älteren Versionen nach und nach aussperren um sie zum Umsteigen zu bewegen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich damals an der Uni ein Word-Doc mit Winword 6.0 nicht öffnen konnte, weil M$ in der nächsten Word-Version einfach das Format verändert hatte, und dass ich mir dann noch vom Absender des Dokumentes anhören musste, ich sollte meinem Arbeitgeber beibringen, dass er sich aktuellere Software zulegt...

Herbmann

26 6. Mai 2009 16:50

Das nennt sich freie Marktwirtschaft. Davon abgesehen mag ich weder MS Office noch Open Office sonderlich. Letzteres ist nach wie vor nicht in der Lage, absturzfrei mit grösseren Dokumenten (inkl. Bildern) umzugehen. MS Office verzapft dabei auch nur Blödsinn, KOffice stürzt schon ab, bevor man ein Dokument öffnet. Ist schon traurig, das es kein einziges wirklich funktionierendes und performantes Office-Paket gibt. ODF Import/Export hin oder her - es ist alles ziemlicher Softwaremüll.

Hexenkind

Avatar von Hexenkind
27 6. Mai 2009 17:36

@18: ODF 1.2 ist seit OOo 3.0 im Einsatz. Dass ODF 1.2 nicht 1:1 in das SP2 implementiert wurde ist blanke Dummheit!

Georg.H

Avatar von Georg.H
28 6. Mai 2009 17:58

@27: Das ist keine Dummheit, das ist Microsoft

FriedChicken

29 6. Mai 2009 19:21

@6: & @18: Das Problem ist, dass es bis ODF 1.1 keine Vorgaben zur Formelsprache gibt. OOo hat also bisher "was eigenes" entwickelt und genau das hat MS jetzt auch getan (anstatt die "Referenzimplementierung" von OOo zu übernehmen. Streng genommen sind die Dokumente von MS als schon standardkonform.

Der Artikel ist (im Gegensatz zu dem von Heise leider nicht besonders detailliert: Excel übernimmt also beispielsweise nur das Ergebnis einer Berechnung, kann aber mit der Formel an sich nichts anfangen und verwirft sie beim Speichern. Anders herum verwendet Excel sogenanntemsoxl-Formeln, mit denen wiederum kein anderes Programm etwas anfangen kann.

Ab ODF 1.2 (implementiert von OOo ab 3.0) wird auf Open Formula als standardisierte Formelsprache gesetzt, aber MS hat sich aus recht fadenscheinigen Gründen (ODF 1.2 ist noch nicht offiziell verabschiedet) geweigert, diese Version zu implementieren.

Mancher scheinen hier verschiedenes zusammen zu schmeißen, man muss allerdings betonen, dass dieser Test sich nur(!) auf ODS/Excel bezieht. Wie es mit ODT und den anderen Formaten aussieht, wird sich erst noch zeigen.

threonin

30 6. Mai 2009 20:18

Das mit den PLugins, die ODF Dateien in MS Office problemlos öffnen ist einfach eine Lüge.

Ich hatte das Vergnügen, eine Arbeit für die Uni in .pdf und .odt abzugeben.

Der Prof. hat sich aber beschwert, dass die Datei nicht in Word zu öffnen wäre, weil die Tabellen (die ich in calc erstellt hatte) nicht sichtbar wären.

Ich habe es dann selber ausprobiert - eine tabelle, die per copy&paste aus Calc in den Writer kopiert wurde und dort als tabelle beschriftet ist, wird nicht in Word mit den Plugins angezeigt. Verwendete Word Version: 2003 und OpenOffice 2.4 (ubuntu LTS)

FriedChicken

31 6. Mai 2009 20:51

@30: Das ist ein technisches Problem, das nur sehr schwer zu umgehen ist: Die Tabellen, die du eingefügt hast, waren bestimmt Calc-Tabellen, die mit OLE (bzw. etwas ähnlichem) eingefügt wurden. Dabei wird technisch gesehen ein Calc-Dokument in ein Writer-Dokument (Dokument in Dokument) eingefügt, anstatt die Tabelle in "native" Writer-Tabellen umzuwandeln. Der Konverter ist aber wahrscheinlich jeweils nur auf eine bestimmtes Dokumentenformat eingerichtet.

XeTaL

Avatar von XeTaL
32 6. Mai 2009 21:34

@18 und @29: Zumindest zwei die sich genau informiert haben und nicht gleich ainfach zu schreien beginnen 😉

Wäre schön wenns von denen noch mehr geben würde

Erwin72

33 7. Mai 2009 19:57

@22 spbfreaker:
Schon mal Staroffice angeschaut?
So weit ich weiß, kann man bereits mit älteren Versionen, die man umsonst sich von Sun (? glaube ich, gehört dies inzwischen) herunter laden. Kann aber sein, dass Du Dich dann registrieren musst?
Oder vielleicht gibt es auch mal wieder als Heftbeilage (so bin ich an meine Gekommen).

Keba

Ehemalige

Avatar von Keba
34 8. Mai 2009 14:35

Staroffice = leicht geändertes OOo... Das wird nicht viel ändern.

Ich finde seit neustem Scribus recht toll, was aber dank Ubuntus glänzender QT-Unterstützung unter Ubuntu für größere Sachen ebenfalls nicht zu empfehlen ist. Scribus ist aber natürlich nur Layout, die Texte kann man dann in einem Texteditor schreiben...

Für Tabellenkalkulation reicht mir Calc (wobei da Excel auch viel besser ist), mit Impress bin ich auch recht zufrieden. Vor allem wegen des PDF-Exports. An Writer schätze ich die Dokumentvorlaen. Hab damit vor ca. einem Jahr eine 130-Seiten-Arbeit (Text und Bilder) geschrieben, abgestürzt ist es nie, das Speichern hat aber etwas gedauert...

Das nur zu den Kommentaren, zum Thema teile ich die Meinung vieler: War abzusehen. Was anderes hätte mich überrascht.

Keba

Ehemalige

Avatar von Keba
35 8. Mai 2009 14:37

Ach ja: LaTeX gäbs auch noch - damit hab ich aber 0 Erfahrung, wenn man öfter Riesen-Arbeiten schreiben muss, macht das aber imho mehr Sinn als ein Office oder DTP.

Ireyon

36 9. Mai 2009 22:15

"[..] es handelt sich dabei um eine komplette Neuentwicklung am Standard vorbei."

Typisch M$. Die machen das wohl gerne. HTML/CSS haben die mit jeder neuen IE-Version auch irgendwie neu fuer sich definiert...

threonin

37 12. Mai 2009 16:42

@31 Als Benutzer sind mir die technischen Details egal. Ich habe ein .odt Dokument abgespeichert und es war weder mit speichern unter .doc, noch mit einem Konverter möglich, die Daten korrekt mit MS Office darzustellen. Somit ist für mich als User die Aussage, von wegen Konverter und alles passt eh, eine glatte Lüge. Alles Andere sind Winkelzüge.